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Baby Led Weaning: Was Fachleute in Deutschland raten

Kurzantwort: Beim Baby Led Weaning führt dein Baby weiche Stücke selbst zum Mund, statt Brei vom Löffel zu bekommen. Das Netzwerk Gesund ins Leben rät, sich weiter am bewährten Ernährungsplan mit Brei zu orientieren. Fingerfood daneben ist ausdrücklich erwünscht. Wer ausschließlich stückig füttern will, soll das mit der Kinder- und Jugendärztin besprechen — vor allem wegen Eisen.

Der Begriff kommt aus dem Englischen und wird meist BLW abgekürzt. Übersetzt heißt er ungefähr „vom Baby geführte Entwöhnung“. Gemeint ist der Übergang von der Milch zum Familientisch, den das Kind selbst steuert.

Statt Karottenbrei vom Löffel bekommt dein Baby ein weich gedünstetes Karottenstück in die Hand. Es entscheidet, was davon im Mund landet und wann Schluss ist. Milch bleibt in dieser Phase die Hauptmahlzeit.

Die Methode hat viele Anhängerinnen und ein paar handfeste Haken. Beides gehört auf den Tisch, bevor du dich entscheidest.

Was Baby Led Weaning bedeutet

Bei BLW gibt es keinen Brei und keinen Löffel. Dein Baby sitzt mit am Tisch, vor ihm liegen weiche Stücke, und es greift selbst zu.

Die Stücke sind so geschnitten, dass eine kleine Faust sie halten kann. Ein Streifen Dampfkartoffel, ein weiches Brokkoliröschen, ein Stück reife Avocado. Nichts davon wird püriert.

Die Idee dahinter: Das Kind lernt Geschmack und Konsistenz von Anfang an kennen und hört auf, wenn es satt ist. Zwei verbreitete Versprechen halten der Prüfung allerdings nicht stand. Dass Baby Led Weaning wählerischem Essverhalten im Kleinkindalter besser vorbeugt als Brei, ist in Studien laut Netzwerk Gesund ins Leben nicht immer zu sehen. Vorteile bei der Vorbeugung von Übergewicht sind nicht belegt.

Ab wann dein Baby so weit ist

Beikost startet frühestens mit Beginn des 5. Monats und spätestens mit Beginn des 7. Monats. Vor dem 5. Monat soll ein Baby gar keine Beikost bekommen. So steht es beim Netzwerk Gesund ins Leben, das in Deutschland die Empfehlungen für das erste Lebensjahr herausgibt.

Ob dein Kind bereit ist, siehst du an den Reifezeichen:

  • Es schiebt Brei nicht mehr direkt mit der Zunge aus dem Mund.
  • Es kann den Kopf halten und mit etwas Stütze aufrecht sitzen.
  • Es steckt sich eigenständig Dinge in den Mund.
  • Es interessiert sich dafür, was die anderen essen.
  • Es öffnet den Mund, wenn der Löffel kommt.

Für die stückige Variante braucht dein Baby mehr als das. Greifen, Kauen und Schlucken müssen zusammenspielen. Das Bundeszentrum für Ernährung weist darauf hin, dass Eltern deshalb meist später damit anfangen als mit Brei.

Wie schnell sich das entwickelt, zeigen Zahlen, die das Netzwerk Gesund ins Leben zitiert: 85 Prozent der Babys können mit sechs bis sieben Monaten kleine Nahrungsstücke mit den Händen greifen. Mit sieben bis acht Monaten sind es 96 Prozent.

Was das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt

Die Empfehlung lautet, sich weiterhin „an dem bewährten und sicheren Ernährungsplan für das erste Lebensjahr“ zu orientieren. Dieser Plan sieht drei Breie vor, die nacheinander dazukommen.

Fingerfood schließt das ausdrücklich nicht aus. Werden dem Säugling zusätzlich nährstoffreiche Lebensmittel in Stückchen angeboten, kann er Texturen mit allen Sinnen entdecken — so steht es dort wörtlich.

Wer ausschließlich stückig füttern möchte, soll das laut Netzwerk mit der Kinder- und Jugendärztin oder dem Kinder- und Jugendarzt besprechen. Empfohlen wird zusätzlich eine qualifizierte Ernährungsberatung.

In der Praxis läuft es bei vielen Familien auf eine Mischung hinaus: Brei als Grundlage, weiche Stücke daneben zum Üben. Das Bundeszentrum für Ernährung hält das für einen gangbaren Weg.

Die zwei Schwachstellen: Eisen und Energie

Der erste Punkt ist Eisen. Das Netzwerk Gesund ins Leben nennt Eisen ausdrücklich als kritischen Nährstoff und schreibt, die Nährstoffversorgung könne bei Baby Led Weaning nicht ausreichend sein. Genau deshalb steht Fleisch früh auf dem klassischen Beikostplan.

Der zweite Punkt ist die Energiedichte. Fingerfood wie Obst und Gemüse liefert wenig Energie und wird oft nur in geringer Menge gegessen. Das steht so in der Stellungnahme des Netzwerks.

Dazu kommt etwas sehr Praktisches: Beim Brei siehst du, wie viel im Kind gelandet ist. Bei Stücken lässt sich das kaum nachvollziehen. Ein Teil klebt am Lätzchen, ein Teil liegt unter dem Stuhl.

Verschlucken — was du weglassen solltest

Die Sorge vor dem Verschlucken ist der häufigste Einwand. Eine Übersichtsarbeit, auf die sich das Netzwerk Gesund ins Leben bezieht, konnte kein höheres Risiko des Verschluckens bei Baby Led Weaning nachweisen. Bestimmte Lebensmittel sollten trotzdem wegbleiben.

Das Netzwerk nennt konkret: ganze Nüsse, Beeren, Hülsenfrüchte, Trauben, Cracker sowie Stücke von rohem Apfel und rohem hartem Gemüse. Dazu kommen drei Regeln — aufrecht sitzen, nur unter Aufsicht essen, das Tempo des Kindes akzeptieren.

Am deutlichsten ist das Bundesinstitut für Risikobewertung bei Nüssen. Nüsse, besonders Erdnüsse, gehören nicht in die Reichweite jüngerer Kinder. Geringe Größe und ölige Oberfläche lassen sie leicht in die Luftröhre rutschen. Der vom BfR vorgeschlagene Warnhinweis für Verpackungen nennt ausdrücklich Kinder unter vier Jahren.

Für alles andere gilt: weich genug, dass es sich zwischen zwei Fingern zerdrücken lässt. Dein Baby sitzt beim Essen aufrecht und wird nicht allein gelassen. Welche Lebensmittel für dein Kind in Frage kommen, klärst du am besten mit deiner Kinderärztin oder deiner Hebamme.

Häufige Fragen

Ist Baby Led Weaning in Deutschland empfohlen?

Als alleinige Methode nicht. Das Netzwerk Gesund ins Leben verweist auf den bewährten Ernährungsplan und rät bei rein stückiger Beikost zum Gespräch mit der Kinderarztpraxis.

Kann ich Brei und Fingerfood kombinieren?

Ja. Genau diese Mischung wird ausdrücklich unterstützt. Der Brei sichert die Nährstoffe, die Stücke bringen die Übung.

Ab wann darf mein Baby Fingerfood haben?

Frühestens ab Beginn des 5. Monats, und erst wenn die Reifezeichen da sind. Für Stücke sollte dein Kind sicher sitzen und gezielt greifen können.

Warum ist Eisen so ein Thema?

Die eigenen Eisenspeicher eines Babys reichen nicht das ganze erste Jahr. Deshalb steht Eisen bei Fachleuten als kritischer Nährstoff auf der Liste, wenn Beikost sehr einseitig ausfällt.

Würgt mein Baby beim Essen häufiger?

Würgen kommt beim Umstellen auf Stücke vor. Wichtiger als Statistik ist Aufsicht: Dein Kind isst aufrecht sitzend und nie unbeaufsichtigt.

Muss ich extra für das Baby kochen?

Nicht zwingend. Das Essen sollte allerdings ungesalzen und weich sein. Was für Erwachsene gewürzt wird, passt für Säuglinge oft nicht.

Quellen

Geschrieben von Lena, Redaktion elternerlebnis.de — sie schreibt hier über Kinder, Alltag mit Familie und die Fragen dazwischen.


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