Symphysenschmerzen: Ursache und was wirklich hilft

Kurz gesagt: Die Symphyse ist die knorpelige Verbindung der beiden Schambeine. In der Schwangerschaft lockert das Hormon Relaxin diese Verbindung, damit das Becken beweglicher wird. Die Folge sind stechende Schmerzen im Schambereich, die beim Gehen, Treppensteigen und Umdrehen im Bett zunehmen.

Es ist kein Zeichen dafür, dass etwas kaputtgeht. Es ist ein Umbau, der wehtut.

Woran man sie erkennt

Der Schmerz sitzt mittig vorn über dem Schambein und kann in Leisten, Oberschenkelinnenseiten und Rücken ausstrahlen.

Typisch ist, dass er bei bestimmten Bewegungen auftritt: einbeiniges Stehen, Treppensteigen, Aufstehen aus dem Sitzen, Umdrehen im Liegen, Ein- und Aussteigen ins Auto.

Manche berichten von einem Knacken oder Reiben im Schambereich.

Warum es passiert

Relaxin lockert Bänder und Knorpel im Becken, damit das Kind bei der Geburt hindurchpasst. Die Symphyse wird dadurch beweglicher – bei manchen Frauen so stark, dass die Bewegung schmerzt.

Begünstigt wird das durch Mehrlinge, ein größeres Kind, frühere Schwangerschaften und eine schwache Rumpfmuskulatur.

Was hilft

Beine geschlossen halten. Beim Umdrehen im Bett die Knie zusammenhalten, beim Aussteigen aus dem Auto beide Beine gleichzeitig bewegen.

Einbeinbelastung vermeiden. Treppen im Nachstellschritt nehmen, Hosen im Sitzen anziehen.

Ein Kissen zwischen die Knie beim Schlafen in Seitenlage.

Beckengurt. Ein Stützgurt stabilisiert die Symphyse und wird von vielen als deutliche Entlastung beschrieben.

Physiotherapie. Gezielte Übungen für Beckenboden und tiefe Bauchmuskulatur – Rezept über die Praxis.

Wärme oder Kälte – ausprobieren, was individuell guttut.

Was man meiden sollte

Langes Stehen, schweres Tragen, weite Schritte, Fahrrad fahren mit hoher Belastung und Übungen mit gespreizten Beinen.

Auch das häufige Tragen eines Kleinkinds auf der Hüfte verstärkt die einseitige Belastung.

Nach der Geburt

In den meisten Fällen bilden sich die Beschwerden innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten zurück, wenn der Hormonspiegel sinkt.

Halten sie länger an, ist Physiotherapie und eine ärztliche Abklärung sinnvoll.

Was im Becken passiert

Die Schambeinfuge verbindet die beiden Beckenhälften vorn und besteht aus Faserknorpel mit Bändern. In der Schwangerschaft lockern Hormone dieses Gewebe, damit sich der Beckenring für die Geburt weiten kann. Der Spalt vergrößert sich dabei um wenige Millimeter.

Beschwerden entstehen, wenn diese Lockerung stärker ausfällt oder das Becken durch Haltung und Belastung ungleichmäßig geführt wird. Der Schmerz sitzt dann vorn über dem Schambein und zieht oft in Leiste und Oberschenkelinnenseite. Typisch ist ein stechender Schmerz beim Umdrehen im Bett.

Fachlich wird das den beckenbezogenen Schwangerschaftsbeschwerden zugerechnet, zu denen auch Schmerzen am Kreuzbein gehören. Beide treten häufig gemeinsam auf. Die Behandlung ähnelt sich.

Was im Alltag hilft

Bewährt hat sich, beide Beine bei jeder Bewegung parallel zu führen: beim Aufstehen, beim Einsteigen ins Auto und beim Umdrehen im Liegen. Ein Kissen zwischen den Knien hält das Becken nachts in einer Linie. Das allein bringt vielen bereits deutliche Erleichterung.

Ein Beckengurt stabilisiert den Ring von außen und wird tief über dem Schambein getragen, nicht auf dem Bauch. Er wird für Belastungsphasen angelegt und nicht rund um die Uhr getragen. Die richtige Position zeigt am besten eine Physiotherapeutin.

Physiotherapie mit Schwerpunkt auf Beckenboden und Rumpfstabilität ist die wirksamste Maßnahme und wird bei Beschwerden ärztlich verordnet. Sie zielt auf Kräftigung, nicht auf Dehnung. Dehnen der Adduktoren verschlimmert die Lage häufig.

Bewegungen, die man anpassen sollte

Ungünstig sind Bewegungen, bei denen die Beine ungleich belastet werden: Treppensteigen im Wechselschritt, langes Stehen auf einem Bein, Ausfallschritte und breitbeiniges Sitzen. Auch Staubsaugen und Wischen sind typische Auslöser. Alternativen lassen sich meist leicht finden.

Treppen werden besser im Nachstellschritt genommen, schwere Einkäufe auf zwei Taschen verteilt oder mit einem Trolley transportiert. Beim Autofahren hilft ein glattes Kissen auf dem Sitz beim Ein- und Aussteigen. Solche kleinen Änderungen wirken erstaunlich gut.

Vollständige Schonung ist dagegen nicht sinnvoll, weil die Muskulatur abbaut und die Stabilität weiter sinkt. Empfohlen wird Bewegung im schmerzfreien Bereich. Schwimmen ist dafür oft geeignet, Brustschwimmen wegen der Beinbewegung allerdings nicht.

Schmerzmittel und ärztliche Behandlung

Für Schmerzmittel in der Schwangerschaft gelten eigene Regeln, weil nicht jeder Wirkstoff in jedem Abschnitt geeignet ist. Welche Mittel infrage kommen, entscheidet die betreuende Praxis. Eine Selbstmedikation ist hier nicht ratsam.

Ergänzend kommen Wärme, Kühlung, Kinesiotape und in manchen Fällen manuelle Therapie zum Einsatz. Die Wirksamkeit ist individuell unterschiedlich und nicht für alle Verfahren belegt. Ausprobieren ist erlaubt, solange es nicht schadet.

Bei starken Beschwerden kann ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen werden, wenn die Arbeit langes Stehen oder Heben verlangt. Das Entgelt wird dabei weitergezahlt. Der Weg dorthin führt über die betreuende Praxis.

Nach der Geburt

In den meisten Fällen bilden sich die Beschwerden in den Wochen nach der Geburt deutlich zurück, weil die hormonelle Lockerung endet. Vollständige Beschwerdefreiheit kann einige Monate dauern. Rückbildungsgymnastik unterstützt diesen Prozess.

Wichtig ist, in den ersten Wochen schweres Heben zu vermeiden, was mit einem Neugeborenen nur begrenzt möglich ist. Hilfe im Haushalt ist deshalb keine Bequemlichkeit, sondern Teil der Genesung. Eine Haushaltshilfe kann bei der Krankenkasse beantragt werden.

Halten die Schmerzen über Monate an, sollte das orthopädisch abgeklärt werden. In seltenen Fällen bleibt die Fuge instabil und braucht gezielte Behandlung. Auch dann ist die Aussicht gut.

Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei starken oder plötzlich zunehmenden Schmerzen ist die betreuende Praxis der richtige Ansprechpartner.

Häufige Fragen

Ist eine normale Geburt trotzdem möglich?

In der Regel ja. Bei starken Beschwerden wird die Geburtsposition angepasst.

Kann man Schmerzmittel nehmen?

Nur nach ärztlicher Rücksprache – in der Schwangerschaft gelten besondere Einschränkungen.

Wann wird es kritisch?

Bei plötzlich sehr starken Schmerzen, Fieber oder Unfähigkeit zu gehen sollte ärztlich abgeklärt werden.

Was ist eine Symphysenlockerung?

Der umgangssprachliche Begriff für genau diese Beschwerden.

Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.

Warum lockert sich das Becken?

Hormone bereiten den Beckenring auf die Geburt vor.

Wie trägt man einen Beckengurt?

Tief über dem Schambein, nicht auf dem Bauch.

Hilft Dehnen?

Nein, Kräftigung ist wirksamer.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion elternerlebnis.de — sie schreibt hier über Familienalltag, Kinder und Erziehung.


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