Steißbeinschmerzen in der Schwangerschaft: Ursachen und was hilft

Veröffentlicht am 26.09.2026 · Lesezeit 4 Min.

Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten

Steißbeinschmerzen sind in der Schwangerschaft häufig und meist harmlos. Hormone lockern die Bänder im Becken, und das wachsende Baby drückt zusätzlich auf den Beckenboden. Linderung bringen ein weiches Sitzkissen, eine aufrechte Haltung, Wärme oder Kühlung und sanfte Bewegung. In den meisten Fällen bessern sich die Beschwerden kurz nach der Geburt von selbst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Fachbegriff für Steißbeinschmerzen lautet Kokzygodynie.
  • Sie treten vor allem im zweiten und dritten Trimester auf.
  • U-förmige oder Keilkissen entlasten beim Sitzen.
  • Schmerzen mit Blutungen gehören sofort abgeklärt.

Wo das Steißbein sitzt

Das Steißbein bildet das untere Ende der Wirbelsäule. Es besteht aus einigen kleinen, miteinander verwachsenen Wirbeln und sitzt unterhalb des Kreuzbeins. Mehrere Bänder und Muskeln des Beckenbodens setzen hier an. Deshalb spürt das Steißbein jede Veränderung im Becken besonders deutlich.

Ursachen von Steißbeinschmerzen in der Schwangerschaft

Meist wirken mehrere Faktoren zusammen:

  • Hormone: Relaxin und Progesteron lockern Bänder und Gelenke im Becken. So bereitet sich der Körper auf die Geburt vor. Das Steißbein wird dadurch beweglicher und kann sich leicht nach hinten verschieben.
  • Druck von oben: Das wachsende Kind drückt auf den Beckenboden. Die stabilisierenden Muskeln werden stärker beansprucht.
  • Gewicht und Haltung: Der Bauch verlagert den Körperschwerpunkt nach vorn. Viele Schwangere gehen dann ins Hohlkreuz, was Becken und unteren Rücken belastet.
  • Langes Sitzen: Harte Stühle und gebeugtes Sitzen erhöhen den Druck direkt auf das Steißbein.

Kurzantwort: Hormone lockern das Becken, und das Baby drückt auf den Beckenboden. Beides belastet das Steißbein.

Wann die Schmerzen auftreten

Die meisten Schwangeren spüren Steißbeinschmerzen im zweiten und dritten Trimester. Dann nehmen Gewicht und Druck deutlich zu. Gegen Ende der Schwangerschaft können Senkwehen und das tiefer rutschende Köpfchen den Druck noch verstärken. Manche Frauen bemerken ein Ziehen auch schon in den ersten Wochen. Wie sich die Schwangerschaft Woche für Woche entwickelt, zeigt die Übersicht zu den Schwangerschaftswochen.

Typisch ist ein dumpfer oder stechender Schmerz direkt über der Pofalte. Er verstärkt sich oft beim Hinsetzen, beim Aufstehen und nach langem Sitzen.

Was bei Steißbeinschmerzen hilft

Maßnahme So geht es
Sitzkissen U-förmiges, Keil- oder Gelkissen, das das Steißbein frei lässt
Haltung aufrecht und leicht nach vorn geneigt sitzen, Gewicht auf beide Sitzhöcker
Pausen etwa alle 30 Minuten aufstehen und ein paar Schritte gehen
Wärme Kirschkernkissen oder warmes Bad bei verspannten Muskeln
Kühlung kühle Gelkompresse, in ein Tuch gewickelt, bei akutem Schmerz
Schlafen Seitenlage mit Kissen zwischen den Knien
Bewegung Schwangerschaftsgymnastik, Schwimmen, Yoga für Schwangere

Ob Wärme oder Kälte besser tut, ist individuell. Am besten beides ausprobieren und bei dem bleiben, was angenehmer ist. Bei starken Beschwerden kann die Frauenärztin Physiotherapie oder Massagen verordnen. Schmerzmittel sollten Schwangere nur nach ärztlicher Rücksprache nehmen.

Sanfte Übungen für Becken und Rücken

Eine kräftige Rumpf- und Beckenbodenmuskulatur stabilisiert das Becken. Diese Übungen sind für die meisten Schwangeren geeignet:

  1. Katzenbuckel: Im Vierfüßlerstand langsam den Rücken rund machen und wieder in eine gerade Linie bringen. 10 Wiederholungen.
  2. Beckenkippen: Im Stand an der Wand das Becken sanft nach vorn und hinten kippen. 10 bis 15 Wiederholungen.
  3. Beckenkreisen auf dem Ball: Auf einem Gymnastikball sitzen und das Becken in kleinen Kreisen bewegen. Zwei Minuten pro Richtung.
  4. Beckenboden aktivieren: Den Beckenboden sanft anspannen, fünf Sekunden halten und lösen.

Die Übungen sollten nie Schmerzen auslösen. Bei Unsicherheit hilft die Hebamme oder ein Kurs für Schwangerschaftsgymnastik weiter. Auch leichte Arbeit im Freien hält in Bewegung, wie der Beitrag zur Gartenarbeit in der Schwangerschaft zeigt.

Steißbein, Schambein oder Ischias?

Nicht jeder Schmerz im Becken kommt vom Steißbein. Eine kurze Abgrenzung hilft bei der Einordnung:

  • Steißbein: Schmerz ganz unten an der Wirbelsäule, stärker im Sitzen.
  • Schambein: Schmerz vorn in der Mitte des Beckens, oft beim Treppensteigen. Mehr dazu unter Symphysenschmerzen in der Schwangerschaft.
  • Ischias: Schmerz, der ins Gesäß und das Bein ausstrahlt.

Wann zur Ärztin oder Hebamme?

Die meisten Steißbeinschmerzen sind harmlos. Bei diesen Anzeichen sollten Schwangere aber rasch ärztlichen Rat einholen:

  • Schmerzen zusammen mit Blutungen aus der Scheide
  • regelmäßig wiederkehrende, krampfartige Schmerzen vor der 37. Woche
  • sehr starke Schmerzen nach einem Sturz
  • Fieber, Taubheitsgefühl oder Schwäche in den Beinen
  • Schmerzen, die trotz Schonung immer stärker werden

Kurzantwort: Sitzkissen, aufrechte Haltung, Pausen und Wärme helfen den meisten Schwangeren. Schmerzen mit Blutungen gehören sofort abgeklärt.

Steißbeinschmerzen nach der Geburt

In der Regel verschwinden die Beschwerden kurz nach der Geburt. Die Bänder festigen sich wieder, und der Druck auf den Beckenboden fällt weg. Selten wird das Steißbein bei der Geburt geprellt. Dann kann es einige Wochen dauern, bis der Schmerz abklingt. Auch hier helfen Sitzkissen und Rückbildungsgymnastik.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder die Begleitung durch eine Hebamme.

Fazit

Steißbeinschmerzen in der Schwangerschaft entstehen durch gelockerte Bänder, Babygewicht und eine veränderte Haltung. Sie sind lästig, aber meist harmlos. Ein gutes Sitzkissen, regelmäßige Pausen, Wärme und sanfte Übungen verschaffen oft spürbare Erleichterung. Nach der Geburt klingen die Beschwerden in der Regel rasch ab.

FAQ – Häufige Fragen

Sind Steißbeinschmerzen in der Schwangerschaft normal?

Ja. Sie kommen häufig vor und sind meist harmlos.

Warum tut das Steißbein in der Schwangerschaft weh?

Hormone lockern die Bänder, und das Baby drückt auf den Beckenboden.

Ab wann treten Steißbeinschmerzen auf?

Meist im zweiten und dritten Trimester, manchmal schon früher.

Welches Kissen hilft?

Ein U-förmiges, Keil- oder Gelkissen, das das Steißbein frei lässt.

Hilft Wärme bei Steißbeinschmerzen?

Oft ja, vor allem bei Verspannungen. Manche empfinden Kühlung als angenehmer.

Wie schläft man mit Steißbeinschmerzen?

Am besten auf der Seite mit einem Kissen zwischen den Knien.

Darf man Schmerzmittel nehmen?

Nur nach Rücksprache mit der Ärztin.

Wann sollte man zum Arzt?

Bei Blutungen, starken oder zunehmenden Schmerzen, Fieber oder regelmäßigen Krämpfen.

Können Steißbeinschmerzen auf Wehen hinweisen?

Am Ende der Schwangerschaft können Senkwehen den Druck verstärken. Regelmäßige Schmerzen vor der 37. Woche gehören abgeklärt.

Gehen die Schmerzen nach der Geburt weg?

Meist ja, kurz nach der Geburt.

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Quellen

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