Ibuprofen in der Stillzeit: erlaubt oder besser nicht?

Kurz gesagt: Ibuprofen gilt in der Stillzeit als Schmerzmittel der Wahl. Es geht nur in sehr geringen Mengen in die Muttermilch über. Eine Stillpause ist nicht nötig, und das Abpumpen und Verwerfen von Milch ebenfalls nicht.

Das ist einer der wenigen Fälle, in denen die Antwort klar und beruhigend ausfällt.

Warum es unbedenklich ist

Ibuprofen bindet stark an Eiweiße im Blut. Gebundene Wirkstoffe gehen kaum in die Milch über – gemessen wurden Anteile weit unter einem Prozent der mütterlichen Dosis.

Zusätzlich wird es rasch abgebaut. Für den Säugling ergibt sich daraus eine Menge, die therapeutisch bedeutungslos ist.

Ibuprofen wird zudem selbst bei Säuglingen ab drei Monaten als Fiebermittel eingesetzt – in Dosierungen, die um ein Vielfaches über dem liegen, was über die Milch ankommt.

Die übliche Dosierung

Für Erwachsene sind rezeptfrei bis zu 400 Milligramm je Einzeldosis und maximal 1.200 Milligramm am Tag vorgesehen.

Wie bei jedem Schmerzmittel gilt: so kurz und so niedrig dosiert wie möglich. Bei Schmerzen über mehrere Tage gehört die Ursache abgeklärt.

Was sonst geht – und was nicht

Paracetamol. Ebenfalls gut geeignet und die zweite Wahl in der Stillzeit.

Acetylsalicylsäure (ASS). Als Schmerzmittel in hoher Dosis in der Stillzeit nicht empfohlen. Niedrig dosiertes ASS zur Blutverdünnung ist etwas anderes und wird ärztlich abgestimmt.

Opioide. Nur nach ärztlicher Anweisung und unter Beobachtung des Kindes.

Kombinationspräparate mit Koffein oder Codein sind ungeeignet.

Worauf man achten sollte

Trinkverhalten und Wachheit des Kindes im Blick behalten – bei jeder Medikamenteneinnahme. Auffälligkeiten sind bei Ibuprofen nicht zu erwarten, aber ein sinnvoller Reflex.

Wer regelmäßig oder über längere Zeit Schmerzmittel braucht, sollte das ärztlich besprechen statt es selbst zu verlängern.

Wo man verlässlich nachschaut

Für Medikamente in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es mit Embryotox eine unabhängige, öffentlich zugängliche Datenbank des Pharmakovigilanzzentrums der Charité. Sie ist die zuverlässigste deutschsprachige Quelle zu dieser Frage.

Wie Wirkstoffe in die Milch gelangen

Ob ein Medikament in der Stillzeit problematisch ist, hängt davon ab, wie viel davon in die Muttermilch übergeht und wie viel davon das Kind aufnimmt. Fachleute rechnen dafür die relative kindliche Dosis aus, also den Anteil der mütterlichen Dosis, den das Kind pro Kilogramm Körpergewicht erhält. Werte unter zehn Prozent gelten allgemein als unbedenklich.

Entscheidend sind außerdem die Eiweißbindung im Blut und die Halbwertszeit. Ein Wirkstoff, der stark an Eiweiß gebunden ist, gelangt kaum in die Milch. Genau das ist bei Ibuprofen der Fall, dessen berechneter Anteil sehr weit unter der genannten Schwelle liegt.

Hinzu kommt, dass ein Teil dessen, was im Magen des Kindes ankommt, dort gar nicht aufgenommen wird. Diese sogenannte orale Verfügbarkeit ist bei vielen Wirkstoffen gering. Beides zusammen erklärt die günstige Bewertung.

Wann Ibuprofen nicht geeignet ist

Unabhängig vom Stillen gibt es Situationen, in denen der Wirkstoff nicht genommen werden sollte: bekannte Überempfindlichkeit, aktive Magen- oder Darmgeschwüre, schwere Nieren- oder Leberfunktionsstörungen und bestimmte Herzerkrankungen. Auch bei Asthma mit Unverträglichkeit gegen Schmerzmittel ist Vorsicht geboten. Diese Gegenanzeigen stehen in der Packungsbeilage.

Bei längerer Einnahme steigt das Risiko für Magenbeschwerden und Blutungen. Wer über mehrere Tage hinaus Schmerzmittel braucht, sollte die Ursache abklären lassen. Ein Magenschutz wird nicht pauschal, sondern nach Risiko verordnet.

Auch die Nierenfunktion kann bei Dauergebrauch leiden, besonders wenn wenig getrunken wird. In der Stillzeit ist ausreichende Flüssigkeitszufuhr ohnehin wichtig. Beides gehört zusammen betrachtet.

Kombination mit anderen Mitteln

Paracetamol gilt in der Stillzeit ebenfalls als gut untersucht und kann mit Ibuprofen kombiniert werden, wenn ein Mittel allein nicht ausreicht. Üblich ist ein zeitversetzter Wechsel statt der gleichzeitigen Einnahme. Die jeweiligen Tageshöchstdosen dürfen dabei nicht überschritten werden.

Nicht kombiniert werden sollten mehrere entzündungshemmende Schmerzmittel derselben Gruppe, etwa Ibuprofen zusammen mit Diclofenac oder Naproxen. Das erhöht die Nebenwirkungen, ohne besser zu wirken. Auch Kombinationspräparate mit Koffein sind für den Dauergebrauch ungeeignet.

Wer bereits Medikamente einnimmt, etwa blutverdünnende Mittel oder bestimmte Blutdrucksenker, sollte die Kombination in der Apotheke prüfen lassen. Wechselwirkungen sind hier gut dokumentiert. Die Auskunft ist kostenlos.

Fieber, Mastitis und Milchstau

Bei einem Milchstau oder einer Brustentzündung ist Weiterstillen in der Regel ausdrücklich empfohlen, weil das Entleeren der Brust Teil der Behandlung ist. Ein entzündungshemmendes Schmerzmittel kann dabei helfen, weil es zusätzlich die Schwellung mindert. Die Entscheidung trifft die betreuende Ärztin oder Hebamme.

Fieber allein ist kein Grund abzustillen. Die Milch bleibt sicher, und die Antikörper der Mutter kommen dem Kind zugute. Nur bei wenigen Erkrankungen gilt etwas anderes.

Bessern sich Beschwerden nach ein bis zwei Tagen nicht oder kommen hohes Fieber und deutliche Rötung dazu, ist ärztliche Abklärung nötig. Dann kann ein Antibiotikum erforderlich sein, für das es stillverträgliche Optionen gibt. Ein Abstillen ist auch dafür meist nicht nötig.

Nach Kaiserschnitt und Geburtsverletzungen

Nach einem Kaiserschnitt oder einer Dammverletzung wird in Kliniken üblicherweise eine Schmerztherapie angesetzt, die mit dem Stillen vereinbar ist. Gute Schmerzlinderung ist dabei kein Luxus, sondern hilft beim Aufstehen, Bewegen und beim Anlegen des Kindes. Untertherapierte Schmerzen erschweren den Stillbeginn.

Wer Sorge hat, sollte das ansprechen statt Medikamente eigenmächtig wegzulassen. Das Personal kann die Auswahl erklären und Alternativen nennen. Diese Frage wird auf Wochenstationen täglich gestellt.

Für zu Hause gilt dasselbe: Ein bewährtes Mittel in der empfohlenen Dosis ist besser als tagelanges Aushalten. Die Erholung nach der Geburt hängt auch daran. Bei Unsicherheit hilft die Hebamme weiter.

Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung. Verlässliche, laufend aktualisierte Bewertungen zu Medikamenten in Schwangerschaft und Stillzeit veröffentlicht das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité.

Häufige Fragen

Muss ich nach der Einnahme eine Stillpause machen?

Nein.

Beeinflusst Ibuprofen die Milchmenge?

Dafür gibt es keine Hinweise.

Wie lange darf ich es nehmen?

Ohne ärztliche Rücksprache höchstens drei bis vier Tage.

Ist 600 Milligramm auch erlaubt?

Diese Dosierung ist verschreibungspflichtig und wird ärztlich verordnet – auch in der Stillzeit möglich.

Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.

Wie viel Ibuprofen kommt beim Kind an?

Ein sehr geringer Anteil, weit unter der kritischen Schwelle.

Darf man bei Brustentzündung weiterstillen?

In der Regel ja, das Entleeren gehört zur Behandlung.

Kann man Ibuprofen und Paracetamol kombinieren?

Ja, üblicherweise zeitversetzt.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion elternerlebnis.de — sie schreibt hier über Familienalltag, Kinder und Erziehung.


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